Willi - Kraft        
          
           
           
  Willi-Kraft-Schule

1955 bekam die Hilfsschule in Wilhelmsburg ihr eigenes Gebäude in der Zeidlerstraße 50.
1962 hat die Flut hier großen Schaden angerichtet.
Im Herbst 1992 wurde die Förderschule Zeidlerstraße umbenannt in Willi-Kraft-Schule nach ihrem ehemaligen Schulleiter von 1964 bis 1977.
Willi Kraft hat die großmotorischen Lautgebärden (dazu drei Bilder) entwickelt als Unterstützung beim Lesenlernen. (s. Lautgebärden)


Großmotorische Lautgebärden nach Willi Kraft

Definition Wenn man das Prinzip des Lesens als Gliederung auffasst, dann bedeutet Leseschwäche: Gliederungsschwäche und Lesehilfe: Gliederungshilfe.
Lautgebärden werden definiert als eine motorische Hilfe bei Schwierigkeiten im akustischen und visuellen Auffassungsbereich, beim Schreiben und Sprechen und bei der Gestaltgliederung. Sie sind nicht eigenständig, sondern sie sind eine Stützhilfe, die abgebaut wird, wenn sie nicht mehr benötigt wird.

Geschichte Willi Kraft hat seine Lautgebärden entwickelt aus der Fingerlesemethode von Koch unter Einbeziehung von Hand- und Armzeichen nach Werlé, die im Musikunterricht verwendet werden. Weitere Hinweise zur Gestaltung der Gebärden entnahm er Steiners Eurythmie.

Vokale und Konsonanten
Die Lautgebärden gliedern sich in zwei Bereiche: einmal in die statisch dargestellten Vokale und zum anderen in die bewegt dargestellten Konsonanten. Die Lautsynthese gelingt nur bei einem geschmeidigen Ineinanderfließen der Bewegungen.

Vokale Die Gesten für Vokale richten sich in der Darstellung nach der Höhe in der phonetischen Klangreihe der Kehlkopfstellung. Das reicht vom hohen "i" bis zum unteren "u".

Konsonanten Die Konsonanten werden eingeteilt in Dauerlaute wie z.B. f, h, n, r, s, w, die durch eine langanhaltende Bewegung dargestellt werden, und in die Explosivlaute (die harten: t, p, k, die weichen: d, b, g).
Sie werden erzeugt durch die Bildung eines Verschlusses und dessen Sprengung.

Rechtschreibung Die Ähnlichkeit zwischen Buchstabe und Gebärde dient als Erinnerungsstütze im Rechtschreibunterricht.

Farbe Zu der motorischen Hilfe durch die Gebärde kommt noch eine visuelle Hilfe durch die Farbe hinzu. Jedem Vokal wird eine bestimmte Farbe zugeordnet, die auch für die Silben verbindlich ist. Der Grund dafür ist darin zu sehen, dass der besser entwickelte Farbsinn in den Dienst der verzögerten Gestaltenentwicklung gestellt wird. Entsprechend der phonetischen Klangreihe i, e, a, o, u und ihrer Kehlkopfstellung werden die Vokale vom "i" zum "u" dunkler werdend dargestellt.

Bei zunehmender Lesefertigkeit (=Gestaltgliederungsfähigkeit) wird vom farbig geschriebenen Wort zum farbig unterstrichenen Wort übergegangen, bis die Farbe schließlich ganz weggelassen werden kann.

Beispiele Mama

Oma

Lilo

Tomate

Limonade


Ulla

Lola

Emil

Melone

Nashorn


Literatur U.Bleidick: Lesen und Lesenlernen unter erschwerten Bedingungen
Essen 1966

Renate Laudage